Bestandteile lassen sich folgende _Arten des Anarchismus_ unterscheiden. 1. Der Grundlage nach: der _genetische Anarchismus_, welcher als höchstes Gesetz menschlichen Verhaltens nur ein _Naturgesetz_ anerkennt und der _kritische Anarchismus_, welcher als höchstes Gesetz menschlichen Verhaltens eine Norm betrachtet; als Unterarten des kritischen Anarchismus der _idealistische Anarchismus_, dessen höchstes Gesetz eine Pflicht, und der _eudämonistische Anarchismus_, dessen höchstes Gesetz das Glück ist; und endlich als Unterarten des letzteren der _altruistische Anarchismus_, für den das Glück der Gesamtheit, und der _egoistische_, für den das Glück des Einzelnen höchstes Gesetz ist. 2. Nach dem im Gegensatz zum Staat bejahten Zustande lassen sich unterscheiden: der _föderalistische Anarchismus_, welcher für unsere Zukunft ein geselliges Zusammenleben der Menschen nach der Rechtsnorm, daß Verträge erfüllt werden müssen, bejaht, und der _spontanistische Anarchismus_, welcher für unsere Zukunft ein geselliges Zusammenleben nach einem nichtrechtlichen Gesetz bejaht. 3. Nach der Vorstellung von dem _Übergang zu dem bejahten Zustande_ lassen sich unterscheiden: Der _reformistische Anarchismus_, welcher sich den Übergang vom Staat zu dem im Gegensatz zu ihm bejahten Zustand _ohne Rechtsbruch_ denkt, und der _revolutionäre Anarchismus_, welcher sich diesen Übergang _als Rechtsbruch_ denkt. Als Unterarten dieses revolutionären Anarchismus: der _renitente Anarchismus_, der sich den Rechtsbruch ohne Anwendung von Gewalt denkt, und der _insurgente Anarchismus_, der sich ihn unter Anwendung von Gewalt denkt.“ Eltzbacher, der das Ergebnis seiner wissenschaftlichen Abhandlung besonders aus den Schriften von sieben der hervorragendsten Theoretiker der anarchistischen Lehre, nämlich _Godwin_, _Proudhon_, _Stirner_, _Bakunin_, _Kropotkin_, _Tucker_ und _Tolstoj_ schöpft, schreibt zu diesen letzteren Arten des Anarchismus, nämlich dem _renitenten_ Anarchismus, der sich den Rechtsbruch ohne Anwendung von Gewalt denkt, die Namen: Tucker und Tolstoj, und zu dem _insurgenten_ Anarchismus, der sich den Rechtsbruch _aktiv_ und _unter Anwendung von Gewalt denkt_, die Namen Stirner, Bakunin, Kropotkin. – Unter diesen dreien war es besonders _Kropotkin_, der sich eine klare Vorstellung von der Anwendung der Gewalt, der Propaganda durch die Tat gemacht hat. Es ist dies nicht weiter zu verwundern, denn Kropotkin war es ja, neben Bakunin und Tolstoj, der die Gewalt der zaristischen Unterdrückung, der grausamen Bekämpfung der Freiheit des Individuums am tiefsten, am eigenen Leben, an der eigenen Seele, an der Freiheit des Körpers und des Gedankens erfahren hat. In seinem Buche: „_Worte eines Empörers_“ gibt er eine klare Darstellung des Propagandisten der Tat, wie er auch über die Notwendigkeit einer solchen Propaganda, über das Verhältnis der Tat zur Idee, des Täters zur Allgemeinheit, des begrenzten Ereignisses zur Zukunft Wesentliches aussagt. Er betont, daß es Aufgabe derjenigen sei, die den Gang der Entwicklung vorhersehen, die Geister auf die bevorstehende Revolution vorzubereiten. „Die Anarchisten,“ sagt er weiter, „sind heute noch eine Minderheit, aber ihre Zahl wächst täglich, wird immer wachsen und am Vorabend der Revolution zur Mehrheit werden. Vor allem aber ist das Ziel der Revolution allgemein bekannt zu machen, damit die Massen von der Idee ergriffen werden. In Wort und Tat ist dieses Ziel zu verkünden, bis es durchaus volkstümlich wird, so daß es am Tage der Erhebung in aller Munde ist.“ „Diese Aufgabe,“ sagt Kropotkin, „ist größer und wichtiger, als man im allgemeinen annimmt. Denn wenn das Ziel auch einigen wenigen deutlich vor Augen steht, so ist es doch ganz anders mit den fortwährend von der Bourgeoispresse bearbeiteten Massen.“ „Der Geist der Empörung,“ sagt Kropotkin ferner, „muß geweckt werden. Es müssen das Unabhängigkeitsgefühl und die wilde Kühnheit erwachen, ohne die keine Revolution zustande kommt. Zwischen der friedlichen Erörterung von Übelständen und dem Aufruhr, der Empörung liegt ein Abgrund, derselbe Abgrund, der beim größten Teil der Menschheit die Überlegung von der Tat, den Gedanken vom Willen scheidet. Das Mittel, um diese beiden Wirkungen zu erzielen, ist: beständiges, unablässiges Handeln der...
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Elijah Walker
10 months agoFinally found time to read this!