Die Ursache: Erzählung by Leonhard Frank

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Frank, Leonhard, 1882-1961 Frank, Leonhard, 1882-1961
German
Hey, have you read 'Die Ursache' by Leonhard Frank? It’s this incredibly tense, short novel from the 1910s that feels shockingly modern. It’s about a young man, Johann, who is forced to kill a man in self-defense. The book isn’t about the act itself, but about what comes after. He’s acquitted in court, but the real trial is in his own mind. The story follows him as he tries to piece his life back together, wrestling with this massive, unshakable guilt. It’s a raw and quiet look at trauma, asking if we can ever truly be ‘innocent’ again after causing someone’s death, even by accident. It’s a quick but heavy read that really sticks with you.
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wechseln, wie damals, die fünf Rehe über den Weg. Besonnte Morgendämpfe. Vogelgeschrei. Die Fröhlichkeit geht durch mit dem Achtjährigen, über den gefährlichen Lehrer weg, reißt alle Schulkameraden mit. Von Ast zu Ast mit dem Eichhörnchen in die Höhe fliegend, sitzt er auf dem letzten wippenden Zweig der Baumkrone und singt lachend in wildem Glück zum blauen Sommerhimmel hinauf. Tief unten staunen die Schulkameraden. Plötzlich ist der Himmel tintenschwarz. Alle sitzen, Milch trinkend, fröhlich im Wirtshausgarten -- er allein steht vor dem Zaune. Der Lehrer Mager hält ein kirchturmgroßes Milchglas in der Hand, in der anderen das heiße Herz des Dichters, stopft es ihm ins Gehirn und schließt den Kopf wieder. Mit diesem ununterbrochen schmerzhaft zuckenden Druck hinter der Stirn erlebt der Dichter viele peinigende Demütigungen späterer Jahre traumhaft vergrößert noch einmal. Die Fingernägel tief in die Kopfhaut gekrallt, in dem Bemühen, das Gehirn freizulegen und den Druck herauszureißen, erwachte er, wußte nicht mehr, was er geträumt hatte. Und fand sich etwas später plötzlich auf dem Bahnhof, sah dann stundenlang gedankenlos aus dem Fenster auf die vorübergleitende Landschaft. »Tanten, Anfangsgründe!« hörte er wie aus weiter Ferne den ihm gegenübersitzenden Herrn zwei Damen zurufen. »Ja, das ist keine Erziehung.« Die Damen waren klein und trugen beide Klemmer. Die vier kurzen Beine baumelten gleichmäßig über dem Kokosteppich. Der Dichter war vergebens bemüht, sich an seinen Traum zu erinnern. Die eine Dame sagte: »Wenns auch pedantisch ist, das ist ganz gut für den Jungen.« »Ja, ich kann auch gar nicht anders. Anfangsgründe sind die Hauptsache, Tanten.« »Ganz gut für den Jungen!« »Nein . . . es ist nicht gut für den Jungen«, sagte der Dichter plötzlich und sah die Damen an. »Was meinen?« »Nichts . . . Es ist eben auf keinen Fall gut für den Jungen.« Der Schaffner rief etwas Unverständliches. Der Zug fuhr langsam in die Station ein. Das Gesicht des Dichters war wieder gespannt und scharf. Aus dem Gefühle heraus, daß die Reisenden nicht nur weiterfuhren, sondern immer an ihm vorbeigefahren waren, verließ er, ohne zu grüßen, unsicher das Abteil und den Zug. Verlegen empfand er beim Durchqueren der Bahnhofshalle den Kontrast zwischen seinen neuen eleganten Lackschuhen und dem alten, fleckigen Anzug. Auf der Treppe blieb er zurückweichend stehen vor dem bekannten Platz, den Kirchtürmen, dem Geruch der Heimatstadt. Rasend schnell durchliefen die Erinnerungen sein Gehirn: Armut, Prügel, Demütigungen, Schulqualen; so daß er den Kopf einzog und geduckt gegen die Stadt blickte. »Dieses böse Tier hat mir die Seele krank gemacht«, flüsterte er. ». . . Nein, ich habe kein Gepäck.« Der Dienstmann trat wieder zurück zu seinen Kollegen; und der Dichter fühlte sich geschlagen, als er die geringschätzig musternden Blicke der Dienstmänner sah. »Ich habe doch längst erfahren, daß ich ohne Gepäck kein Mensch bin«, sagte er, nachdem er sich die ganze Bahnhofstraße hinuntergequält hatte -- und schaukelte erschrocken gegen ein Schaufenster, denn er war der Meinung, der schräg über die Straße auf ihn zukommende Herr sei Herr Mager, sein früherer Lehrer. Ein Schuster, der ein Paar schwebende Röhrenstiefel an den Stulpen trug, begrüßte den Herrn mit dem Titel Kanzleirat. Der trat, mit den Händen fuchtelnd, wütend und schnell von einem Fuß auf den andern und beschwerte sich. Der Schuster beugte sich hinab, drückte das Oberleder, zuckte die Schultern -- gegen das Knarren sei nichts zu machen. Der Kanzleirat fauchte speichelspritzend den Schuster an, schritt knarrend davon. Und dem Dichter, der auf der ganzen Reise vergebens darüber nachgegrübelt hatte, was ihn zwang, die Heimatstadt zu besuchen, war von dem unvermittelten gierigen Haß auf seinen Lehrer die Denkfähigkeit vollkommen niedergeschlagen worden. Noch immer lehnte er gelähmt am Schaufenster und sah dem...

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Leonhard Frank's Die Ursache (The Cause) is a sharp, psychological story from 1915. It follows Johann, a young man who, in a moment of desperate struggle, kills another man. A court finds him not guilty, ruling it was self-defense. On paper, he's free. But the story truly begins as he walks out of the courtroom.

The Story

The plot is simple but powerful. We follow Johann as he tries to return to his old life. He gets a job, tries to reconnect with people, and attempts to move on. But he can't. The memory of the dead man's face haunts him. Every interaction, every quiet moment, is shadowed by what he did. The 'cause' of his turmoil isn't the legal verdict, but the moral and emotional weight he now carries. The book is a close-up study of his isolation and the slow erosion of his peace.

Why You Should Read It

Frank doesn't give us courtroom drama. He gives us the quieter, more devastating drama of the mind. What I found so gripping was how real Johann's struggle feels. His guilt isn't loud or dramatic; it's a constant, whispering presence. The book asks tough questions about justice versus conscience. Is being found 'innocent' by the law the same as feeling innocent? It’s a story about the prison we can build for ourselves, long after the official doors have closed.

Final Verdict

This is a perfect pick for readers who love character-driven stories and early 20th-century literature. If you're interested in psychology, moral dilemmas, or just a brilliantly tense short novel that explores the aftermath of a single violent moment, you'll find a lot here. It's not a cheerful book, but it's a thoughtful and surprisingly moving one that proves a story about inaction—the action of *living* with a memory—can be just as compelling as any chase scene.



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Paul Walker
8 months ago

I stumbled upon this title and the arguments are well-supported by credible references. I learned so much from this.

Karen Sanchez
1 year ago

I started reading out of curiosity and it challenges the reader's perspective in an intellectual way. I couldn't put it down.

4.5
4.5 out of 5 (2 User reviews )

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